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Voll christlicher Symbolik

Voll christlicher Symbolik

Wie ein Bühnenbild wirkt die selten dargestellte Szene des Tempelgangs Mariens (Mariä Opferung).
Wie ein Bühnenbild wirkt die selten dargestellte Szene des Tempelgangs Mariens (Mariä Opferung).

Voll christlicher Symbolik 1766 ermöglichte die großzügige Stiftung von vier Bürgern eine prächtige Ausstattung der von außen schlicht wirkenden Landkirche mit Werken vom Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner. Wagners drei Altäre und die Kanzel (1770) gelten unter Kennern als „letzter Höhepunkt des fränkischen Rokoko“ und bilden gemeinsam eine kostbare geschlossene Ausstattung.

Im Zentrum des Hochaltars steht – statt eines Altarbildes – eine wie ein Bühnenbild wirkende Figurengruppe: Sie stellt „Mariä Opferung“ dar, als die junge Maria von ihren Eltern Anna und Joachim im Tempel Gott dargebracht wird. Der Hohepriester tritt hier gleichsam aus dem Altargeschehen heraus und nimmt Maria entgegen; Anna und Joachim erfüllt dieses Geschehen sichtlich mit Freude und Schmerz; umrahmt ist die Szenerie von verschiedenen Engeldarstellungen, die unter anderem die strahlende Sonne und die Mondsichel als Symbole für Mariens Auserwähltheit tragen. An den Altardurchgängen stehen als Vertreter des Alten und Neuen Bundes Johannes der Täufer sowie Johannes der Apostel und Evangelist.

Die Gemälde der beiden Seitenaltäre stammen vermutlich von Andreas Urlaub: Das Bildnis auf der linken Seite zeigt die Kreuzigung Jesu und wird von Statuen von Jakobus und Judas Thaddäus begleitet. Rechts erinnert ein Gemälde an den zweiten Patron der Kirche Andreas; er wird von Petrus und Paulus begleitet.

Herzstück der Kirche ist jedoch nach wie vor das eindrucksvolle gotische Gnadenbild, das noch aus der Zeit der Entstehung der Wallfahrt stammt. Die volkstümliche Holzfigur aus der Zeit um 1450 stand bis 1984 in einer Muschelnische an der Außenmauer des Chores und blickt heute die in den ersten Bankreihen sitzenden Gläubigen liebevoll an. Zugleich aber steckt die lebensgroße Figur voller christlicher Symbolik: Maria steht auf der Mondsichel als Symbol des Vergänglichen, Irdischen und Sündhaften; mit dem göttlichen Kind auf dem Arm wird sie aber zugleich zur Trägerin und Bringerin des Lebens. Gleichermaßen wird der Apfel in der Hand Mariens zum Symbol für den Sündenfall, während die Traube in der Hand des Kindes auf die Erlösung durch die Eucharistie verweist.

Wer ganz genau hinsieht, wird übrigens insgesamt zwölf Mariendarstellungen im gesamten Kirchenraum entdecken können. Neben den oben genannten zählt dazu auch eine Tragmadonna, die früher bei Prozessionen mitgeführt und mit Schmuck und Medaillen geschmückt wurde. Seit 2008 erstrahlt die Bolzhäuser Kirche schließlich wieder in ihrem alten Glanz. Im Zuge der Renovierungsarbeiten erhielt der Altarraum einen neuen Volksaltar sowie einen Ambo aus fränkischem Muschelkalk.

Anja Legge