Drei Madonnen
|
|
© Walter Sauter  |
| Die Gnadenkapelle ist das Herzstück des berühmten Wallfahrtsortes. |
|
Neumanns Kirchenbau ist ein wahres Juwel des Rokoko: Auf halber Höhe schmiegt sich der Größe atmende Zentralbau an den Hang. Die Innenausstattung, die vom Rokoko bis zum Klassizismus reicht, wurde durch bekannte Größen ihres Fachs ausgeführt: Matthäus Günther zeichnet für die Fresken und Johann Michael Feichtmayr für die reichhaltige Stuck-Ausstattung verantwortlich. Das Hauptbild in der Kuppelwölbung vereint drei Themenkreise in sich: Die „Krönung Mariens“, „Maria als Patronin Frankens“ und die „Huldigung Frankens an Maria“. Hinzu gesellen sich Engel, allegorische Figuren und Darstellungen fränkischer Heiliger. Weitere Fresken im Kirchenraum zeigen Szenen aus der Geschichte der Wallfahrt sowie Gestalten aus dem Alten Testament, die als Vorbilder Mariens gedeutet werden. Beachtung verdient auch die Orgel von Christian Köhler aus Frankfurt, die zu den schönsten im Würzburger Raum zählt. Unumstrittener Haupt-Anziehungspunkt ist und bleibt jedoch das in der üppigen Ausstattung eher klein und bescheiden anmutende Gnadenbild, das in einem Glasschrein an der Rückwand des klassizistischen Baldachin-Hochaltars der Gnadenkapelle steht. Die bemalte Holzplastik aus der Zeit um 1640 zeigt die schmerzhafte Mutter mit dem Leichnam ihres göttlichen Sohnes auf dem Schoß. Seit 1797 besitzt der Wallfahrtsort übrigens ein zweites Gnadenbild, das heute in der Nische der rechten Seitenwand untergebracht ist: Die spätgotische Madonna aus der Zeit um 1460 stand ursprünglich bei den Karmeliten auf der Vogelsburg. Um es vor umherziehenden Heerhaufen zu retten, brachte man es in den Domkreuzgang; doch da sich dort die Domherren durch die lautstarke Verehrung bei ihrem Chorgebet beeinträchtigt fühlten, überbrachte man es 1797 ins Käppele. Keinesfalls versäumen sollte man bei einem Käppele-Besuch einen Abstecher in den so genannten Mirakelgang an der Südseite. Hier sind zahllose Votivgaben ausgestellt, die Gläubige zu allen Zeiten als Dank für Gebetserhörung gestiftet haben. Heute kurios anmutende Wickelkinder und Wachs-Gliedmaßen, Bilder und Tafeln erzählen von den Schicksalen in Not geratener Menschen. Der Votivschatz ist der reichste im gesamten Diözesangebiet. Am Ende des Ganges gelangt der Besucher in die Kapelle der Schwarzen Madonna, wo eine Kopie der Muttergottes von Altötting zahllose Beter anzieht. Anja Legge
|